Frauen im Gerüstbau: Von wegen das schwächere Geschlecht! Teil 2

  • 15. Februar 2021

WOW, ich bin überwältigt und stolz zugleich. So viel positives Feedback auf meine Beitragsserie „Frauen im Gerüstbau: Von wegen das schwächere Geschlecht“. Im ersten Teil berichtete ich über Vivien und im 2. Teil geht es nun um Nadja. Ich freue mich, euch diesen sehr interessanten, lieben Menschen und ihre Erfahrungen im Gerüstbau näher zu bringen.

Steckbrief:

Nadja Pawendenat, 24 Jahre alt, ausgelernte Gerüstbauerin. Nadja arbeitet aktiv im Gerüstbau und ist seit fast einem Jahr, bei der Firma Marc Kühl Gerüstbau in Lünen angestellt.

Elena: Liebe Nadja, danke dir noch mal, dass du dich bereit erklärt hast, an meinem Projekt mitzuwirken und mir einige Fragen beantwortest. Die erste und für mich doch interessanteste Frage:

Warum hast du dich für den Beruf Gerüstbauerin entschieden?

Nadja: Ich war auf einer freien Waldorfschule und meine Klassenlehrerin hat damals gemeint gehabt, macht eine handwerkliche Ausbildung, danach könnt ihr immer noch alles andere werden und sie hatte recht. Aber mein Traumberuf ist es tatsächlich nicht gewesen.

Elena: Hast du oft mit Vorurteilen zu kämpfen?

Nadja: Sagen wir mal so, Vorurteile – nein. Aber ich habe oft Sätze gehört wie: „Eine Frau auf dem Bau und dann noch Gerüstbau geht das überhaupt?“ oder „Kannst du überhaupt über 2 Lagen pumpen?“ oder „Kannst du überhaupt so schwer heben?“ Und ich denke mir – ja, kann ich, aber ich mache das nicht. Erstens ist es verboten und zweitens, warum sollte ich mich in meinem Alter schon kaputt arbeiten. Mir ist klar, dass Männer eindeutig stärker sind als wir Frauen, aber dafür habe ich es hier (sie zeigte auf ihren Kopf). Mein Kolonnenführer sagte mir schon oft, dass ich mehr wegstecke, wie manche Männer.

Elena: Wie reagieren beispielsweise Passanten oder Auftraggeber, sobald sie dich sehen?

Nadja: Also auf Passanten treffe ich sehr selten, es sind eher die Auftraggeber, vor allem Eigentümer, die dann schon eher mal erschrocken gucken, wenn wir mal ein Einfamilienhaus einrüsten. Mein Kolonnenführer hat es sich schon angewöhnt, immer dazu zu sagen, dass eine Frau mit dabei ist. Aber nichts Negatives, eher Respekt, den man erntet. Das macht mich schon auch sehr stolz. Natürlich darf ein dummer Spruch wie: „Na kannst du das schon tragen,“ nicht fehlen, aber da stehe ich drüber.

Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wo man dann schon mal zu hören bekommt: „Warum machst du denn keinen Frauenberuf?“

Elena: Was ist denn heutzutage ein Frauenberuf?

Nadja: Ja, das weiß ich auch nicht. Mein damaliger Chef in meinem Ausbildungsbetrieb hat mal gemeint gehabt, ihr Frauen bringt eine Grundordnung und auch mehr Vernunft in den Gerüstbauberuf rein. Es wird beispielsweise schon mal weniger hinterhergepfiffen, wenn ich dabei bin.

Elena: Hast du vor, irgendwann deine Meisterprüfung zu machen?

Nadja: Wäre Corona nicht gewesen, hätte ich jetzt schon mal meinen Kolonnenführer gemacht und Seminare besucht. Aber da wurde mir ein Strick durch die Rechnung gezogen. Zumindest habe ich letztes Jahr ein Seminar zum Sicherheitsbeauftragten gemacht. Ja, und der Meister ist auch geplant.

Elena: Mit welchem Gerüstsystem arbeitest du am liebsten?

Nadja: In meinem Lehrbetrieb habe mit dem klassischen Rahmengerüst Layher/ Layher kompatibel gelernt. Bei „Marc“ arbeiten wir mit dem Plettac-System. Jedes dieser Systeme hat seine Vor- und Nachteile und es war auch eine Umstellung für mich, auf einmal mit einem anderen Gerüstsystem zu arbeiten. Aber am liebsten ist mir tatsächlich das Modulgerüst. Mit dem Modulgerüst ist man einfach so flexibel, was den Aufbau angeht.

Elena: Was stört dich an deiner Arbeit im Gerüstbau?

Nadja: Mich stört an meiner Arbeit tatsächlich gar nichts. Das Einzige, was mich an meinem Beruf manchmal verrückt macht, ist, dass auf vielen Baustellen keine WC´s sind.

Elena: Oh mein Gott, das Toilettenthema, daran habe ich absolut nicht gedacht!

Nadja: Ja, leider wird der Gerüstbauer oft vergessen. Meine männlichen Kollegen haben es einfach, die können ja fast überall. Sagen wir mal so, haben wir Baustellen direkt in der Stadtmitte, dann ist die Option Apotheke immer möglich. Doch aufgrund von Corona ist es schwieriger geworden. Ich bin aber sehr schmerzfrei, ich klingele auch mal bei Privatleuten und frage, ob ich auf Toilette gehen darf und es ist meistens gar kein Problem.

Aber eins muss ich loswerden, liebe Bauleute, denkt im Winter an uns und stellt auch mal beheizte Toiletten auf, die gibt es von verschiedenen Anbietern.

Elena: Gibt es ein Bauprojekt, was dich besonders beeindruckt hat?

Nadja: In meinem alten Betrieb waren wir mal in einem Werk in Holland. Dort musste, wenn ich mich nicht irre, ein Kessel innerhalb von 24 Stunden eingerüstet werden. Der Aufbau begann auf 40 Meter Höhe und musste weitere 40 Meter hoch aufgebaut werden. Dort wurden auch so spezielle Träger entwickelt, die den Aufbau erleichtern sollte. Das war schon aufregend wegen des Zeitdrucks. Wir haben in zwei Schichten gearbeitet und ich war damals in der 12 Stunden Tagschicht dabei. Das Beeindruckendste daran war nicht die Höhe, sondern die vielen Aufbaumöglichkeiten, die dieses eine Bauwerk lieferte. Das hat mich richtig zum Nachdenken gebracht.

Elena: Kennst du viele Frauen, die im Gerüstbau arbeiten?

Nadja: Sagen wir mal so, der Kreis der Gerüstbauer ist nicht besonders groß und man kennt sich schon untereinander. Ich kenne auch einige Frauen, die Gerüstbauerin gelernt haben. Doch meistens handelt es sich dabei um die Töchter der Chefs. Die machen die Ausbildung, dann ihren Meister und dann ist auch wieder gut. Die gehen dann ins Büro, um den Betrieb zu leiten. Das finde ich persönlich etwas schade. Ich würde mir mehr Frauen wie mich im Gerüstbau wünschen, die noch mit anpacken und ihren Beruf auch noch körperlich beanspruchen.

Nach dem Blick auf die Uhr erschrak ich tatsächlich. Nadja und ich telefonierten bereits seit 1,5 Stunden. Sie hatte mir wirklich sehr viel zu berichten. Ich bedankte mich und wir beendeten das Telefonat.

Ich war platt. Zwei Interviews an einem Tag ist schon recht viel und auch anstrengend. Aber es ist interessant zu hören, wie sich die Frauen in sogenannten „Männerberufen“ schlagen. Ich bin stolz darauf, dass ich zwei dieser Frauen kennenlernen und interviewen durfte.

Zwei unterschiedliche Frauen im selben Beruf, zwei starke Persönlichkeiten, vor denen ich mich verneige und Danke sage. Danke, dass sie tagtäglich Spaß und Freude an ihrem Beruf haben, trotz Vorurteilen und auch manchmal doofen Sprüchen.

Ich hoffe, bis bald eure Elena

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