Der Gerüstbau

  • 17. November 2017

Was ist der Gerüstbau?

Gerüstbau, so nennen wir das Gewerk beim Hausbau, das ab einer bestimmten Höhe von 3 Meter über dem Boden dringend benötigt wird, nicht nur für die Berufsgenossenschaft, sondern vielmehr für die eigene Gesundheit und der Absturzsicherung bei Gerüstbauarbeiten. Der Gerüstbau unterliegt den Bauvorschriften und DIN-Normen, die zwingend einzuhalten sind, damit einem Unfall an der Baustelle vorgebeugt wird. Ein Gerüst unterliegt der DIN EN 12811 und ein Schutzgerüst der DIN 4420.

Verschiedene Arten von Gerüsten und deren Aufgaben

Fast überall an den Baustellen beim Haus bauen benötigt man ein Baugerüst. Wenn man beim Ausbau eine abgehängte Decke einbauen möchte, reicht je nach der Größe der Fläche ein Fahrgerüst bzw. Rollgerüst unter Umständen ja schon aus. Da sollte man sich vor Baubeginn Gedanken darüber machen, wie lange man das jeweilige Baugerüst an der Baustelle braucht? Ob man einen Gerüstbauer beauftragt oder Gerüst mietet? Oder sich vielleicht sogar dazu entscheidet, ein Gerüst kaufen und selbst aufzustellen.

Wie belastbar muss ein Baugerüst sein?

Man muss auf jeden Fall darauf achten, wie belastbar das Baugerüst ist, das an den Baustellen für die Arbeiten benötigt wird. Will man zum Beispiel eine Mauer mit kleinformatigen Mauersteinen errichten und benötigt ab der Höhe von 1,50 Meter ein Baugerüst, so muss man das Gewicht der Steine, des Mörtels und des eigenen Körpergewichts berücksichtigen, um die Belastbarkeit von dem Baugerüst nicht zu überschreiten.

Was sind Lastklassen?

Bei einem Baugerüst wird in Lastklassen unterschieden, in denen klar beschrieben wird, wie hoch ein Arbeitsgerüst oder Schutzgerüst belastet werden darf. Am häufigsten kommt bei einem Fassadengerüst die Lastklasse 3 mit einer Belastbarkeit von 2,0 KN/m², was in etwa 200 Kg entspricht, zum Tragen. Die Summe der Verkehrslasten aller übereinanderliegenden Gerüstlagen in einem Gerüstfeld darf den der Lastklasse entsprechenden Wert nicht überschreiten.

Wieviel Material darf ich auf einem Baugerüst lagern?

An einem Baugerüst muss ein Prüfprotokoll für Arbeits- und Schutzgerüste gut sichtbar angebracht sein. Werden Baustoffe auf einem Gerüstfeld zum späteren Einbau gelagert, so muss der Laufweg trotzdem gewährleistet sein (Baustoffe dürfen den Weg auf dem Gerüst nicht versperren). Bei einer Belastungsgrenze von 200 kg, wenn da der Handwerker alleine schon 100 kg auf die Waage bringt, dann darf man eben nur noch weitere 100 kg Baustoffe pro Quadratmeter Gerüstfläche pro Gerüstfeld lagern.

Baugerüste – wie und wo werden sie eingesetzt

Baugerüste in luftiger Höhe, da muss man schon eine große Erfahrung haben, wenn eine Fachfirma solche Aufträge im Gerüstbau erledigen will. Ein Baugerüst oder Fassadengerüst muss immer höher als das Bauwerk selbst sein, wenn man es für die Dacharbeiten benötigt, das ist der häufigste Grund, warum man es überhaupt braucht. Gut, heutzutage im Zuge der neuen Wärmeverordnung und des benötigten Vollwärmeschutzes am Haus, braucht man sehr oft ein Fassadengerüst, von dem aus gearbeitet wird. Da gibt es ja wieder ganz spezielle Systeme, wo man die Baustoffe, wie die benötigten Wärmedämmplatten, einfach in das Baugerüst außen einhängt, damit man besser laufen kann. 

Wie verhindere ich, das Gegenstände vom Gerüst fallen?

Das Gerüstnetz, dass das Baugerüst umgibt, sind keine Fangnetze um Menschen zu sichern, da geht es lediglich darum, das keine kleinen Steine oder Werkzeug vom Baugerüst runterfallen können.

Muss ein Gerüst vom Prüfamt abgenommen werden?

Misst das Baugerüst mehr als 15 Meter Länge, so muss man wegen den Schub- und Scherkräften eine zusätzliche Diagonale Strebe einbauen, die auf das Gerüst wirken, wenn die Handwerker darauf entlang gehen. Steht ein Fassadengerüst so vor einer Hausfassade, dass man darunter durchlaufen kann, so muss dieses von einem Prüfamt abgenommen werden und der Prüfbericht öffentlich am Gerüst für Jedermann sichtbar angebracht sein. Da besteht ein erhöhter Sicherheitsbedarf, weil durch herabfallende Gegenstände Passanten verletzt werden könnten. So muss ein Durchgang unter einem Baugerüst, der als Eingang für ein Geschäft genutzt wird, das während der Bauphase weiter in Betrieb ist, besonders gesichert werden, indem man über die Gerüstbohlen aus Stahlgittern noch zusätzliche Baubohlen aus Holz auflegt.

Der dreiteilige Seitenschutz und Gerüstgruppen

Die roten schmalen Bretter am Arbeitsgerüst (auch Bordbrett genannt) müssen an jedem Gerüstfeld angebracht sein (siehe DIN 4420), damit nichts vom Gerüstbelag fallen kann. Bei der Mindestbreite der Belagsflächen, sprich die Laufbreiten vom Gerüstbelag, gibt es Vorschriften gemäß der DIN 4420 zu beachten, in der Gruppeneinteilung der Arbeitsgerüste, zum Beispiel bei der höchsten Gruppe 3 von 0,95 Meter. Bei einem Arbeitsgerüst der Gruppe 1 mit einer Belastung von 100 Kg/m² beträgt die Mindestlaufbreite 50 cm und bei der Gerüst-Gruppe 2, so wie sie am häufigsten auf dem Bau verwendet wird, mit bis zu 200 Kilogramm Belastung pro Gerüstfeld muss die Mindestlaufbreite 60 cm betragen. Diese Gerüstbau-Vorschriften muss der Gerüstbauer, der das Baugerüst erstellt, alle kennen, auch wie oft ein Arbeitsgerüst gegen Kippen an der Fassade verankert werden muss, das weiß der Gerüstbauer, der auch das Prüfprotokoll unterschreiben muss. Das ist ganz wichtig, denn da kann man sich schnell verschätzen und man belastet das Gerüst zu sehr – es bricht zusammen und Arbeiter werden verletzt – das darf an den Baustellen nicht geschehen.

Was ist die Nennwanddicke?

Der Verankerungsabstand beim Stahlrohrgerüst darf 6 Meter nicht überschreiten. Nach der DIN 4420 werden die Stahlrohre für Gerüste in vier Rohrgruppen gemäß dem Außendurchmesser unterteilt, der Nennwanddicke und der Mindeststreckgrenze. Die Mindeststreckgrenze ist ein Begriff hinsichtlich der Zugfestigkeit zum Beispiel vom Stahl. Da werden im Baustofflabor Versuchsreihen gefahren, um die Zugfestigkeit der Stahlrohre zu prüfen. Wenn ein Stahlrohrgerüst zu stark belastet wird, so droht das Stahlrohr zu knicken und da wird auf Zug beansprucht, weil beim Knicken sich das Material erst mal dehnt bis zu der Mindeststreckgrenze die in MN/m² angegeben wird und am Stahlrohr mit einem Buchstaben A; B; C; oder D gekennzeichnet sein muss. Der Außendurchmesser der vier Rohrgruppen beträgt 48,3mm. Die Nennwanddicken der Stahlrohre für Gerüste der Rohrgruppen A und B muss laut DIN 2448 und der DIN 2458 mindestens 3,2 mm betragen. Bei der Rohrgruppe C und D für Stahlrohre für Gerüste die eine Streckgrenze von 235 MN/m² und 353 MN/m² aufweisen beträgt die Nennwanddicke 4,05 mm.

Verankerungsabstände beim Fassadengerüst

Wird ein Baugerüst von der Höhe her betrachtet stärkeren Belastungen ausgesetzt, weil man viele Gerüstfelder übereinander gebaut wird, so kann man bei solchen Bauten einen kleinen Trick anwenden und einfach zwei Standleiter (Ständerelemente) nebeneinander anordnen. Die Baumaterialien werden über einen Bauaufzug, dass Außen am Gerüst angebaut und im Bauwerk verankert ist, nach oben befördert.

Ab 100 Meter Gerüsthöhe muss man mindestens 8 Gerüstlagen einbauen, wenn nicht schon von der Bauausführung mehr Gerüstlagen gefordert sind, bis zu einer Gerüsthöhe von 50 Meter muss man mindestens 4 Gerüstlagen einbauen.

Die Dicke der Bohlen und die Stützweiten der Gerüstfelder

Ein Baugerüst darf die Breite von 3 Meter nicht überschreiten und dann müssen die Bohlenbretter, auf denen man läuft, auch mindestens 5 cm dick sein, was in den Gerüstgruppen I, II und III festgelegt wird, das gilt nicht für Einzellasten auf dem Fassadengerüst, die größer als 150 kg sind. Alle Angaben ohne Gewähr! Schauen Sie in der DIN nach, um sicher zu gehen oder fragen Sie Ihren Gerüstbauer, den Sie beauftragen wollen, wenn Sie noch mehr technisches Wissen zum Gerüstbau benötigen.

Elena | Wir beraten Dich gerne!

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Über diesen Blog

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